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Man braucht ein ganzes Dorf, um einen Auto-Trader zu entwickeln (Teil 2 von 4)

Die erste Herausforderung, einen Algo-Trader zu erstellen

teaser-t-makingof-02Algo-Trading ist auf Finanzmärkten längst etabliert. Seit kurzem findet diese Technologie auch mehr und mehr Eingang auf den europäischen Energiemärkten. Die Anforderungen dieser Branche sind zwar ähnlich zu denen des Finanzhandels, dann aber doch wieder gänzlich anders. In einer vierteiligen Artikelreihe teilt Wolfgang Eichberger, Mitgründer von VisoTech, seine Erfahrungen bei der Entwicklung eines vollautomatischen Handelssystems für den kurzfristigen Handel mit Strom und Gas. Wer überlegt, eine eigene Algo-Trading-Lösung zu entwickeln, sollte dies lesen! Im ersten Teil gab er eine kurze Geschichte der Handelstechnologie und wie sie sich verändert hat. Jetzt, im zweiten Teil, teilt er einen der schwierigsten Aspekte der Entwicklung einer automatisierten Energiehandelslösung.

 

Kommunikation: die Arterien eines Auto-Traders

Obwohl die erste Aufgabe, die einem bei einer Algo-Trading-Lösung einfällt, wahrscheinlich die Algorithmenentwicklung ist, haben sich die größten Herausforderungen bei der Entwicklung des autoTRADERs konsequent auf seine Schnittstellen bezogen. Wie oben erwähnt, muss ein automatisiertes Energiehandelsystem mit einer Anzahl anderer Systeme kommunizieren, sowohl innerhalb von Kundensystemen als auch außerhalb mit den Börsen. Alle Börsen (EPEX SPOT, Nord Pool, PEGAS usw.) haben ihre eigenen APIs (Application Programming Interface), die unterschiedlichste Technologien verwenden, um Orderbücher zu übertragen und Geschäfte auszuführen.

 


Die größten Herausforderungen bei der Entwicklung des autoTRADERs haben sich konsequent nicht auf die Entwicklung von Algorithmen, sondern auf die Schnittstellen bezogen.


 

Unsere Börseschnittstellen mussten zu 100% fehlerfrei und stabil sein und dafür vor dem Produktivstart eine Reihe von Konformitätstests bestehen: Die Verbindung musste stabil sein und verschiedene Arten von Orders erfolgreich platziert, storniert und geändert werden können. Manchmal waren mehrere Iterationen erforderlich, um einen einzelnen Konformitätstest zu bestehen. Der Zeitaufwand war sehr groß, aber sobald unsere Software die Tests bestanden hatte, konnten unsere Kunden in Folge sehr schnell ohne weitere Konformitätstests live gehen.

 


Ohne eine konsistente, definierte Sequenz kann der Handel ordentlich schiefgehen.


 

Die größte Herausforderung bei den Börseschnittstellen bestand nicht in der Datenstruktur oder der Technologie – es gibt zahlreiche nutzbare Bibliotheken – sondern in der Synchronisation des Datenaustauschs. Wenn eine Order an einer Börse platziert wird, kann die Schnittstelle theoretisch die Antworten in beliebiger Reihenfolge liefern. Ohne eine konsistente, definierte Sequenz kann der Handel ordentlich schiefgehen. Wir mussten solche Verhaltensweisen korrigieren, indem wir Heuristiken entwickelten, um vertauschte Nachrichten zu identifizieren und zu verwalten.

 

Eine unendliche Geschichte

Darüber hinaus führt jede Börse in der Regel jedes Jahr ein wichtiges Schnittstellen-Update durch, das monatliche iterative Entwicklung und Tests sowie mehrere kleinere Aktualisierungen erforderlich macht. Oftmals werden kurz nach der Veröffentlichung solcher Updates noch kleinere Änderungen nachgezogen, was wiederum Anpassungen erforderlich macht. Besonders das Einlesen in Dokumentationen, die Kommunikation mit den Entwicklern der Börsensysteme, die Fehlerbehebung und die Wartung von Börseschnittstellen stellen zeitraubende wiederkehrende Aufgaben dar. Dieser Aufwand war in der Regel auch der Grund dafür, warum unsere Kunden die Entwicklung eigener Auto-Trading-Lösungen letztlich aufgegeben und sich dafür entschieden haben, eine Komplettlösung von uns zu erwerben.

 


Die Wartung von Börseschnittstellen stellt eine zeitraubende wiederkehrende Aufgabe dar.


 

XBID, die europäische Initiative für den grenzüberschreitenden Intraday-Handel, hat darüber hinaus nun eine weitere Komplexitätsebene hinzugefügt. Ursprünglich sollten XBID und lokale Produkte gleichzeitig verfügbar sein, was automatisierte Handelswerkzeuge erforderlich macht, um entscheiden zu können, welches Produkt ausgewählt werden soll. Wir hatten bereits mit der Arbeit an einem Optimierungsalgorithmus begonnen, als Ende März das Konzept geändert wurde. Mittlerweile ist diese Art der Optimierung nicht mehr notwendig. Der Handel wird stattdessen, basierend auf verschiedenen Opening- und Closingzeiten der Gates, zwischen dem gemeinsamen XBID-Orderbuch und dem lokalen Orderbuch wechseln. Das stellte für uns, wie auch für jedes Unternehmen mit einer Börseschnittstelle eine ganz andere, aber nichtdestotrotz vergleichbar große Herausforderung dar. Darüber hinaus galt es, dieses Problem in kürzester Zeit zu lösen. Weitere Änderungen werden erwartet, wenn das XBID-System reift und mehr Märkte hinzugefügt werden.

 

Nächste Woche in Teil 3 beschreibt Wolfgang die anderen großen Herausforderungen bei der Entwicklung einer automatisierten Energiehandelslösung.


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