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Man braucht ein ganzes Dorf, um einen Auto-Trader zu entwickeln (Teil 1 von 4)

Die Herausforderungen bei der Entwicklung einer Handelslösung - und das Erfolgsgeheimnis

teaser-t-makingof-01Algo-Trading ist auf Finanzmärkten längst etabliert. Seit kurzem findet diese Technologie auch mehr und mehr Eingang auf den europäischen Energiemärkten. Die Anforderungen dieser Branche sind zwar ähnlich zu denen des Finanzhandels, dann aber doch wieder gänzlich anders. In einer vierteiligen Artikelreihe teilt Wolfgang Eichberger, Mitgründer von VisoTech, seine Erfahrungen bei der Entwicklung eines vollautomatischen Handelssystems für den kurzfristigen Handel mit Strom und Gas. Wer überlegt, eine eigene Algo-Trading-Lösung zu entwickeln, sollte dies lesen! In diesem ersten Teil betrachtet er die Entwicklung der Energiehandelstechnologie und die Triebkräfte des Wandels und erklärt die Unterschiede zwischen Finanz- und Energiehandel.

Im Jahr 2002, als VisoTech mit der Entwicklung von Periotheus – unserer Software-Suite für die Automatisierung von Energieprozessen – begann, war der gesamte Energiehandel noch sehr von manuellen Tätigkeiten geprägt. Die Planung erfolgte zumeist in einer Vielzahl von Excel-Tabellen und die Abwicklung der Prozesse lief zu großen Teilen auf Papier ab. Die Kommunikation wurde vielfach per Telefon oder sogar Fax durchgeführt. Aus heutiger Sicht steckten die Prozesse der Energiewirtschaft noch in den Kinderschuhen. Gleichzeitig handelte es sich um eine Spielwiese für Softwarelieferanten, denn mit nur wenig Aufwand konnte riesiger Mehrwert geschaffen werden.

 

Abb. 1: Das Intraday-Handelsvolumen hat an allen wichtigen europäischen Energiebörsen stetig zugenommen.

 

Jetzt, mehr als 15 Jahre später, leben wir in einer anderen Welt – die Ansprüche sind deutlich gestiegen. Die Liberalisierung der Märkte und das rapide Wachstum von erneuerbarer Energie haben zu einer wahren Explosion von Handelsvolumen (Abb. 1) und Volatilität (Abb. 2) auf den kurzfristigen Energiemärkten geführt. Das stellt Energiehändler vor ganz neue Herausforderungen. Bei sinkenden Energiepreisen und damit einhergehend sinkenden Margen, sind neue, kostengünstige Lösungen gefragt. Das Zauberwort heißt Digitalisierung! Der Versuch im Kurzfristhandel für Energie, Systeme von Finanzmärkten anzuwenden, ist jedoch unmittelbar gescheitert – der Energiemarkt tickt nach ganz eigenen Regeln.

 

Abb. 2: Die Schwierigkeit, den steigenden Anteil erneuerbarer Energien vorherzusagen, hat zu einer größeren Preisvolatilität geführt.

 

Warum Lösungen aus dem Finanzhandel nicht ausreichen

Der Finanzhandel bezieht sich auf unterschiedliche, abstrakte Produkte. Der Energiehandel dreht sich dagegen um ein physisches Produkt, das geliefert werden muss. Handelsentscheidungen sind stark abhängig von externen Faktoren wie Wetter, Kraftwerksausfällen oder Übertragungsproblemen – also spiegelt der Markt nur die physische Realität wider. Schnittstellen gewinnen dadurch stark an Bedeutung. Daten kommen in das System mit unterschiedlichen Strukturen. Diese müssen verarbeitet und am Ende Ergebnisse ausgegeben werden, auf deren Basis wiederum physische Prozesse ausgeführt werden – beispielsweise um Kraftwerke zu steuern und Kunden zu versorgen.

Anders als in der Finanzwelt müssen Energiehändler daher verstehen, woher das Produkt – also die Energie kommt. Dasselbe gilt nun auch für ein automatisiertes System. Die gesamte Prozesskette muss abgebildet werden. Entscheidungen müssen getroffen werden: welche Leistung muss aus welcher Quelle in welcher Viertelstunde geliefert werden. Und anders als bei den Finanzmärkten, die nur zur Arbeitszeit zur Verfügung stehen, muss dies rund um die Uhr geschehen, damit Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind und die Energieversorgung reibungslos funktioniert.

 


Bis jetzt haben wir mehr als 10 Personenjahre investiert, einschließlich drei vollständiger Neuimplementierungen.


 

Aus diesen Gründen haben wir 2015 mit der Entwicklung einer automatisierten Handelslösung für Intraday-Energiemärkte begonnen. Das klang am Anfang einfach, hat sich aber rasch als Mammutaufgabe dargestellt. Dies mussten zwischenzeitlich auch viele unserer Kunden erkennen, die es zunächst mit Eigenentwicklungen versuchten, dann aber letztlich zu unserer Lösung gewechselt sind. Bis jetzt haben wir mehr als 10 Personenjahre investiert, einschließlich drei vollständiger Neuimplementierungen und zahlreicher wichtiger Änderungen. Dies geschieht zusätzlich zur Entwicklung der zugehörigen vor- und nachgelagerten Funktionen der Periotheus Suite, wie Fahrplan- und Kraftwerksmanagement.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Das Gleiche gilt für ein komplexes Produkt. Ohne die enge Zusammenarbeit mit Kunden und Kooperationspartnern hätten wir die großen Herausforderungen von Schnittstellen, Handelsalgorithmen und Performance nicht lösen können.

 

Bleiben Sie nächste Woche dran für den zweiten Teil, in dem Wolfgang einen der schwierigsten Aspekte der Entwicklung einer automatisierten Energiehandelslösung erklärt.


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