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Versorger sollten das Flexibilitätspotenzial von DSM nutzen

Pressespiegel: energate messenger
Wien (energate) – Als Demand Side Management (DSM) bezeichnet man die intelligente Steuerung des Stromverbrauchs von Industrie, Gewerbe und Privathaushalten. Energieversorger (EVU) sollten seine Potenziale noch viel stärker nutzen und daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln, wie Johannes Püller, Gründer des Österreichischen Softwareunternehmens Visotech, in einem Gastkommentar schreibt.

 

„Die Nutzung erneuerbarer Energiequellen nimmt kontinuierlich zu, Flexibilität wird dadurch immer wichtiger. Neben flexiblen Kraftwerken, die ihre Produktion an die Stromerzeugung von Windkraft- und Fotovoltaikanlagen anpassen und Speicheranlagen, die den erneuerbaren Strom zwischenspeichern können, stellt das DSM ein nicht zu vernachlässigendes Flexibilitätspotenzial und gleichzeitig die Möglichkeit für neue Geschäftsmodelle dar. Ein Potenzial, das die Energieversorger für sich nutzen sollten. Denn wenn sie es nicht tun, werden andere die Geschäftsmöglichkeiten erkennen und den Versorgern das Heft aus der Hand nehmen.

Für EVU stellt DSM eine Optimierungsmöglichkeit und eine neue Erwerbsquelle dar. Erneuerbare Energie wird dann erzeugt, wenn die Bedingungen es zulassen, wenn also die Sonne scheint oder der Wind weht. Gespeichert werden kann diese Energie zwar in großen, zentralen Pumpspeicherwerken. Diese zu bauen, stellt aber einen erheblichen ökologischen Eingriff dar, was immer häufiger zu Widerstand in der Bevölkerung gegen solche Bauvorhaben führt. Gleichzeitig ist praktisch jeder Kühlschrank, jede Stromheizung und jeder Warmwasserboiler ein Energiespeicher, wenn auch ein kleiner und dezentral gelegener. Das Potenzial liegt in der Bündelung vieler solcher dezentralen Stromverbraucher. Praktisch umsetzbar sind derlei Modelle allerdings nur mit einer direkten Verbindung zum Stromspotmarkt und mit einer vollautomatischen Steuerung. Haushalte könnten über einen Zwischenhändler mit automatisierter Marktanbindung oder direkt über ihren Energieversorger am System partizipieren.

Wenn der Verbrauch der vielen dezentralen Geräte so gesteuert wird, dass er dann anfällt, wenn viel Strom zur Verfügung steht, entstehen daraus Vorteile für die Energieversorger und für deren Kunden. Das Modell funktioniert, wenn die Lücke zwischen Verbraucher und Energieversorger automatisiert geschlossen wird. Smart Metering gibt die Richtung vor: Den Verbrauch der Kunden zu kennen und in Folge in einem Win-Win-Modell für beide Parteien steuern. Demand Side Management ermöglicht schlichtweg neue Geschäftsmodelle, die genutzt werden sollten. Beispielsweise könnte ein Energieversorger, um die Einbindung eines Kühlschranks ins Netz für den Kunden attraktiv zu gestalten, diesen kostenlos an den Haushalt abgeben. Aber nicht nur im Normalbetrieb bietet DSM Vorteile, auch in Ausnahmesituationen hilft das Konzept. Das zeigte sich etwa in Florida nach dem Wirbelsturm Irma, wo die gezielte Laststeuerung dabei unterstützte, das System trotz der Beeinträchtigungen im Netz halbwegs stabil zu halten. Was spricht dagegen, dass die Energieversorger die neuen DSM-Geschäftsmodelle selbst realisieren, anstatt das Ruder womöglich Start-ups und Zwischenhändlern zu überlassen, die bereits ihre Chance wittern? Bislang ist es seitens der Energieversorger sehr ruhig um das Thema Flexibilitätsvermarktung. Auch von den Netzbetreibern hört man wenig, dabei wären DSM-Konzepte (Stichwort Ausgleichsenergie) mehr als hilfreich für die Versorgungssicherheit. Wollen die etablierten Anbieter wirklich warten, bis andere das Ruder übernehmen und ihnen dieses Geschäft streitig machen? Es ist Zeit zum Handeln!“

Johannes Püller

Kommentar erschienen in: energate messenger 11.10.2017; © 2017 energate gmbh.

Den Originalartikel können Sie ebenfalls im PDF-Format abrufen.

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