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Langfristige Planbarkeit war gestern

Pressespiegel: energate messenger
Wien (energate) – Mit der Digitalisierung der Energiebranche nimmt die Geschwindigkeit in den Geschäftsprozessen zu. Davon betroffen ist auch der Handel, wo zunehmend automatisierte Trading-Systeme zum Einsatz kommen. Wolfgang 
Eichberger, Head of Research bei dem Software-Anbieter Visotech, bewertet in einem Gastkommentar die Entwicklungen.

 

„Vielen Dank, Sie wurden von einer künstlichen Intelligenz ersetzt! Vor diesem Satz fürchten sich derzeit viele Handelsprofis in der Energiebranche. Zurecht? Klar ist: Die Welt der Energieversorgung ändert sich derzeit dramatisch. Noch dazu in einer Geschwindigkeit, die mit einer traditionell eher trägen Branche nicht kompatibel ist. Kein Wunder, denn spätestens mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung kommt eine ungewohnt hohe Geschwindigkeit in die Branche. Eine Industrie auf Speed. Besonders augenscheinlich ist diese Entwicklung bei den europäischen Spotmärkten. Jahr für Jahr werden Rekordzuwächse im kurzfristigen Handel auf EPEX SPOT und NordPool verzeichnet. Inzwischen ist der Handel bis wenige Minuten vor Lieferung möglich. Auch auf der Gashandelsplattform PEGAS ist der Kurzfristhandel stark gewachsen. Logisch, denn Gaskraftwerke sind derzeit eine der wenigen Möglichkeiten, um Schwankungen in der Produktion erneuerbarer Energie rasch auszugleichen.

Eine weitere Entwicklung, die sich anhand des Kurzfristhandels ableiten lässt, sind die kontinuierlich sinkenden Preise. Das drückt auf die Margen und hat schon den ein oder anderen Businessplan obsolet gemacht. So werden neu gebaute Kraftwerke mit fossilen Energieträgern gleich wieder stillgelegt, um kein Geld zu verbrennen. Und um noch eines oben drauf zu legen, steigt noch die Volatilität der Preise. Langfristige Planbarkeit war gestern.

Algo-Trading-Systeme im Aufschwung

Glücklicherweise lassen sich immer mehr Prozesse automatisieren. Im Kurzfristhandel erleben Algo-Trading-Systeme gerade einen enormen Aufschwung. Was in der Finanzbranche seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, erlebt in der Energiebranche gerade eine Renaissance. Aber Vorsicht: Die Systeme sind nicht 1:1 anwendbar. Die Vielzahl der Produkte und die Unmittelbarkeit der Lieferung macht den automatischen Handel auf Energiebörsen zu einer ganz eigenen Liga.

Durch intelligente Systeme, die ganze Prozessketten vom Datenmanagement über den Handel bis hin zum Fahrplanmanagement automatisieren, entstehen plötzlich neue Chancen. Bisher hat ein 24×7-Trading-Desk und das angeschlossene Dispatching jährliche Kosten in der Höhe siebenstelliger Eurobeträge verursacht. Eine Software, die diese Aufgaben übernimmt, kostet einen Bruchteil davon. Plötzlich können kleine Dienstleister, kleinere Stadtwerke und Startups an diesen Märkten teilnehmen. Gut so, denn warum sollen nur die Großen den ganzen Spaß für sich alleine haben?

Nun zurück zur einleitenden Frage – haben Sie als Energiehändler morgen noch einen Job? Selbstverständlich! Künstliche Intelligenzsysteme sind – wie der Name schon sagt – nur künstlich intelligent. Diese Systeme müssen, mühselig wie ein kleiner Hund, erst trainiert werden. Danach sind sie maximal so intelligent, wie der Trainer es ihnen beigebracht hat. Entsprechend ist das Wissen der Energiehändler von heute gefragter denn je. Die neue Währung der Energiewirtschaft ist Know-how. Oder warum gibt es noch kein Uber oder AirBnB des Energiehandels? Ganz einfach: Weil die Sache etwas komplizierter ist als eine Taxifunkzentrale oder eine Hotelvermittlung. Energiehändler sind also gut beraten, Ihr Know-how zu nutzen und auch bei rasanter Geschwindigkeit die Nase vorne zu behalten.

Wolfgang Eichberger

Kommentar erschienen in: energate messenger 02.02.2018; © 2018 energate gmbh.

Den Originalartikel können Sie ebenfalls im PDF-Format abrufen.

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