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So autonom und automatisch wie möglich

Pressespiegel: Energie & Management

Der Softwarehersteller VisoTech bindet immer mehr europäische Strombörsen in seinen automatischen Handel ein.

IT. Beim Stromhandel geht der Trend zu immer mehr Automatismus, beobachtet Jürgen Mayerhofer. Der Geschäftsführer des österreichischen Softwarehauses VisoTech profitiert mit seinem Unternehmen von dieser Entwicklung.

Seit rund vier Jahren sind die Software- und Handelsspezialisten mit ihrem Programmpaket „autoTRADER“ auf dem Markt. Damals begannen sie, nachdem das Programm entwickelt war, zunächst die europäische Strombörse Epex in ihre Software einzubinden. Die Börse hatte dazu eine Softwareschnittstelle zu ihrem Handelssystem angeboten.

Der Plan der Softwareentwickler war es, zunächst den deutschen Markt zu erobern. Mittlerweile nutzen hierzulande eine ganze Reihe von Energieversorgern wie die Stadtwerke München, die Leipziger Stadtwerke oder die Nürnberger N-Ergie das Programm. „Deutschland bleibt aufgrund der Anzahl der Marktteilnehmer ein attraktiver Markt“, sagt Mayerhofer.

 

Immer mehr Börsen können mit der Software kommunizieren

Aber auch in anderen europäischen Märkten sind die Softwareanbieter mittlerweile aktiv. Die spanische Iberdrola nutzt das Programm ebenso wie skandinavische Energieversorger. Insbesondere die Teilnehmer im Norden profitierten vom Anschluss der Strombörse Nord Pool an das automatische Handelssystem – die zweite Börse, die nach der Epex eingebunden wurde. Weitere Börsen folgten und werden noch folgen. So kann das System heute auch mit South Pool kommunizieren oder mit der ungarischen Strombörse Hupx, für Börsen in Großbritannien und in der Türkei sollen ebenfalls Schnittstellen integriert werden.

 


Das automatische Handelssystem erkennt die Prognose, sieht die Differenz zur Lieferverpflichtung und schließt eine Lücke durch einen Einkauf automatisch.


 

Seit dem vergangenen Jahr gibt es auch die Möglichkeit, mit dem autoTRADER automatisch Gas zu handeln. Dazu ist die Software laut Mayerhofer an die Pegas angebunden, den europäischen Zusammenschluss der Gashandelspunkte.

Ob beim Strom oder Gas, der Ablauf ist im automatischen Handel ähnlich: Im einfachsten Fall muss eine offene Position zu einem definierten Preis geschlossen werden. So bekommt beispielsweise ein Windparkbetreiber regelmäßig aktuelle Vorhersagen für seine Stromproduktion und seinen Ertrag. Die Abweichung zwischen der eingegangenen Lieferverpflichtung und der Vorhersage wird er dann automatisiert durch Handel schließen. Das automatische Handelssystem erkennt die Prognose für die Stromproduktion, sieht die Differenz zur Lieferverpflichtung und schließt eine Lücke durch einen Einkauf automatisch.

In diesem Fall muss laut Mayerhofer überhaupt niemand mehr eingreifen: „Es gibt ganz unterschiedliche Anwendungen, der Fokus ist mittlerweile aber immer, so autonom und vollautomatisiert wie möglich zu handeln.“

Eine neue Nachfrage nach dem Programm entsteht im Augenblick beispielsweise durch die Vermarktung von Flexibilitäten: Ein industrieller Verbraucher legt fest, wie viele Megawatt Leistung er wann und zu welchem Preis flexibel bereitstellen möchte. Die Software handelt dann an den Börsen mit der verfügbaren Leistung.

 

Handeln ohne eigenen Börsenzugang

Eine Neuentwicklung der Programmierer ist die Möglichkeit, auch Kunden anzubinden, die selbst keinen direkten Börsenzugang haben, also nicht bei der Epex registriert sind. Wenn sie selbst die autoTRADER-Software nutzen, können sie über Dienstleister am automatischen Handel teilnehmen. Der Dienstleister hat seinerseits das Programm samt Börsenanschluss in Betrieb. „Dieser Kunde nutzt den Marktzugang des vorgelagerten Dienstleisters. Sie können damit an der Börse algorithmisch handeln, wie wenn sie selbst registriert wären“, erläutert Mayerhofer.

Mit dieser Technik erschließt sich der Anbieter eine neue Zielgruppe, nämlich auch die Stadtwerke, die etwa wegen ihrer Größe nicht an der Börse registriert sind. Rund 20 Kunden nutzen derzeit laut Mayerhofer das Programm. „Eine unserer Hauptzielgruppen sind innovative Dienstleister, die den Großen die Stirn bieten wollen. Eine andere Zielgruppe sind große Stadtwerke und Energiehändler selbst.“

Für die und mögliche neue Kunden wird die Software immer wieder weiterentwickelt, eine technische Roadmap hilft den Entwicklern dabei. Ein Trend ist die geografische Ausweitung der Anwendung, also die Anbindung von mehr Börsen, etwa in Spanien oder Italien. Ein anderer ist die Optimierung im Kurzfristhandel und die Anbindung an den OTC-Markt, auf dem zwei Geschäftspartner bilateral handeln können. „Der automatisierte Kurzfristhandel ist ein echter Wachstumsmarkt“, beobachtet Mayerhofer.

 


Eine unserer Hauptzielgruppen sind innovative Dienstleister, die den Großen die Stirn bieten wollen.


 

Ein Thema, das noch nicht direkt im Fokus steht, aber in der Zukunft wichtig werden könnte, ist die Nutzung der Software in einer Blockchain, dem direkten Handelskontakt zwischen zwei Marktpartnern ohne dazwischengeschaltete Börse.

Bei seiner Weiterentwicklung orientiert sich der Anbieter an den Wünschen, die seine großen Kunden haben. Mit diesen werden laut Mayerhofer neue Produktideen diskutiert, bevor man in die Programmierung einsteigt. Das sei sinnvoller, als eine neues Feature als Softwareanbieter allein zu entwickeln in der Hoffnung, dass es später irgendjemanden interessiert. E&M

 

Artikel geschrieben von Armin Müller und veröffentlicht in E&M am 1. September 2018. © 2018 Energie & Management Verlagsgesellschaft mbH

Den Originalartikel können Sie ebenfalls im PDF-Format abrufen.


Über Energie und Management

 

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Seit 1994 zählt die unabhängige Zeitung Energie & Management zu den aktuellsten und führenden Energietiteln im deutschsprachigen Energiemarkt. E&M wendet sich besonders an Energieversorger, Stadtwerke, Hersteller von Energieanlagen und -techniken sowie Energiedienstleister. Neben der Energiewirtschaft werden jedoch auch die Verbände und die Politik über die aktuellsten Marktentwicklungen bei der Erzeugung und Verteilung von Energie informiert. Mit seinen Hintergrundberichten, Interviews und Reportagen ist E&M heute eines der führenden meinungsbildenden Medien im Bereich der Energiewirtschaft und Energietechnik.

Webseite: www.energie-und-management.de


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